Kinder – Erziehung und Bildung

Auch dies ist ein brisantes Thema in einer Zeit, in der man kaum noch „erzogene“ Kinder findet. Kindern werden heute kaum noch geistige Werte vermittelt, weil die Eltern und Lehrer selbst kaum noch geistigen Werten entsprechend leben. Zu übermächtig bestimmen die weltlich-materiellen Errungenschaften unser Leben.
Vissarion bemängelt, dass sich die Erwachsenen zu sehr von der Kindheit distanzieren, wobei sie nur einen vernünftigen Menschen als einen Erwachsenen ansehen. Folglich lehren sie die Kinder, dass die Phantasie, die Vorstellungskraft, im Leben eines Erwachsenen nichts zu suchen hat, was ein fataler Fehler ist.

Eine Mahnung an uns Erwachsene
„Menschen! Werft euren grauen Umhang des Erwachsenseins von euch!
Solange es nicht zu spät ist, entwickelt eure Vorstellungskraft, träumt! Denn die Phantasie ist eine unbegrenzte Quelle der wahren Erkenntnis des Daseins. Seid nicht bestrebt, die Kindheit hinter euch zu lassen, und schämt euch nicht, wie Kinder zu sein!
Doch denkt daran, im Wesen der Kindheit liegt das Nehmen, im Wesen der Reife – das Geben. Wisset: solange ihr auf der Erde seid, seid ihr ihre Kinder. Und nur euer Streben zum falschen Erwachsensein ist in der Lage, aus euch unvernünftige Wesen zu machen, die den Mitmenschen und der Umwelt Kälte und Leid bringen. Denkt daran, welche Gefühle ein Kind bei euch hervorruft, das die Kleider eines Erwachsenen angezogen hat und versucht, sich ein solides Aussehen zu geben. Genauso seht ihr in den Augen der Wahrheit aus.“

Letztes Testament:  Buch der Ansprachen, Kap. 3, Vers 106ff.

Kindheit und Reife sind keine Gegensätze
„Die Kinder sind in ihren menschlichen Qualitäten einem großen Teil der erwachsenen Bevölkerung weit überlegen. Ihr geistiges Leben ist noch nicht von allen möglichen Wirrnissen des Lebens der Erwachsenen verzerrt. Die erwachsene Bevölkerung der Erde hat einen fatalen Fehler begangen, als sie sich unendlich weit von der Kindheit entfernte.
Kindheit und Reife sind keine Gegensätze. Die Reife ist die Fortsetzung der Kindheit.“
Letztes Testament:  Buch der Ansprachen, Kap. 3, Vers 42ff.

Die Bedeutung der Vorstellungskraft
„Die Erziehung der Kinder ist die Grundlage zur Entwicklung der Menschheit. Die Zukunft der Menschheit hängt von der Weltanschauung ihrer Kinder ab.
Das Kind soll von jeglichen Wundern umgeben sein, doch diese Wunder dürfen auf keinen Fall aufgedeckt werden. Das ewige Geheimnis der Wunder und der Schönheit soll unantastbar bleiben, außer für Personen, die den Bedarf verspüren, diese Wunder und diese Schönheit zu schaffen. Dank der Rätsel entwickelt sich bei den Kindern die notwendigste und wichtigste Eigenschaft – die Vorstellungskraft. Je früher die Menschheit ihre Aufmerksamkeit ernsthaft der Erziehung der Kinder zu Beginn ihres Lebens zuwendet, umso schneller wird ihr Wohlstand eintreten. „

Letztes Testament:  Buch der Ansprachen, Kap. 3, Vers 2ff.

„In allen Gesellschaften besteht die falsche Vorstellung, dass, wenn ein Mensch keine wissenschaftlichen Kenntnisse besitzt, er zwangsläufig die geringste Autorität und Achtung verdient; und jener, der viele Erscheinungen mit wissenschaftlichen Berechnungen erklären kann, ist immer ein geachtetes Mitglied jeder Gesellschaft.
Die Kinder sind, ihrem Wesen nach, ungewöhnliche Phantasten und haben eine starke Vorstellungskraft. Je mehr verschiedene Erscheinungen sie sehen, umso mehr entwickelt sich ihre Phantasie, die es ihnen erlaubt, solche Eindrücke zu gewinnen, wie ihr ganzes weiteres Leben sie ihnen nicht geben kann.
Die jungen Leute aber beschreiten den Weg der Erkenntnis, und mit Hilfe der Wissenschaften werden ihnen die Geheimnisse aller Erscheinungen eröffnet.
Das lebendige Licht, das Geheimnisse ausstrahlt, verliert an Farbe und verwandelt sich in eine unendliche Reihe von Formeln und chemischen Elementen. Im Menschen verkümmert die Vorstellungskraft – jene Lebensquelle der geistigen Welt.“

Letztes Testament:  Buch der Ansprachen, Kap. 3, Vers 2ff.

Den Kindern ein neues Gesellschaftsmodell anbieten

„Die Aufgabe jener, die beginnen, ihre Augen zum Guten und Lichten zu öffnen, ist es zu versuchen, ein Modell einer neuen Gesellschaft aufzubauen – wenn auch nur eine kleine neue Gesellschaft – dennoch Anstrengungen zu unternehmen und zu versuchen, sie aufzubauen, um ihre Kinder in dieses Modell einzufügen und ihnen eine neue Bildung zu geben auf einer anderen Grundlage, ohne den Begriff der Aggression überhaupt, in welchem Sinne auch immer.
Solange die Kinder nicht richtig erzogen werden, ist die Gesellschaft verurteilt. In diesem Fall werden alle Anstrengungen der Erwachsenen zunichte. Die Kinder müssen zu dem Begriff  ‚Der Mensch der Zukunft‘ geführt werden. Jetzt müsst ihr Anstrengungen unternehmen und, wenigstens ein wenig, die Grundlage der neuen Gesellschaft aufbauen, die praktisch in Erscheinung zu treten beginnt und allen anderen gestattet zu sehen, dass so etwas möglich ist und dass das Mögliche wirklich wundervoll ist.
Sonst müsst ihr die Kinder jenem System überlassen, in dem ihr euch befindet, wo sich die Kinder natürlich weiter herumschlagen werden, schimpfen werden, in einer ganz anderen Ideologie erzogen werden: der Ideologie der Krieger, der Ideologie der Händler, der Ideologie der Lügner, des Betrugs, der Angst, des Hasses. Dort werdet ihr nie eine gute Zukunft bekommen, dort ist es absurd, dies zu erwarten.
Man muss neue Schulen errichten und versuchen, sie im Leben einzuführen. Eine neue Atmosphäre ist notwendig. Man muss das Kind aus der Atmosphäre der kranken, anormalen Gesellschaft herausreißen und ihm eine ganz andere Welt geben. Und das bedeutet, dass man sich selbst auch verändern muss.“

Letztes Testament:  Vadims Berichte, Teil 6, Kap. 38, Vers 5ff. 

Inwieweit müssen Kinder den Eltern gehorchen

„Wenn der Mensch das Alter für eigenständige Handlungen erreicht hat, so muss er natürlich die Schritte so tun, wie er es für nötig hält.
Die Eltern können das Schicksal ihrer Kinder nicht kennen. Sie können zwar ihre Wünsche äußern, aufgrund der Erfahrung, die sie gesammelt haben, doch sie können nicht das Schicksal des Kindes kennen. Deshalb muss das Kind, wenn es eigene Möglichkeiten erwirbt, das tun, was es für richtig hält, indem es sich die Ratschläge anhört, die von den Eltern kommen können, und sie abwägt. Nur in diesem Fall macht es einen richtigen Schritt. Oftmals fordern die Eltern von ihren Kindern, wenn sie von ihrem Wohl sprechen, dass die Kinder so handeln, wie es für die Eltern am besten wäre. Und hier zeigt sich eine zu gefährliche Liebe zu den Kindern.
Die Eltern sollen zwar ihre Fürsorge für die Kinder ausdrücken. Jedoch sollen sie ihnen nicht die Möglichkeit zur Entwicklung nehmen, indem die Eltern den Kindern ihr eigenes Verständnis vom Leben, ihre Sichtweise der Situationen aufzwingen und von den Kindern dann verlangen, so zu handeln, wie die Eltern es für richtig halten. In diesem Fall entstehen in der Familie Komplikationen, sowohl beim Kind als auch bei den Eltern.

Die Eltern bekommen ihr Kind nicht für sich, sondern für die Welt, damit die Welt durch diese Geburt bereichert wird, und nicht deshalb, damit ein Wesen geboren wird, das berufen ist, die Bedürfnisse der Eltern zu befriedigen. Nein, so primitiv darf man sich zu dieser Erscheinung nicht verhalten. Euer Wille ist es, das Kind in Liebe zu erziehen, ihm die Möglichkeit zu geben zu lernen, Gutes und Böses voneinander zu unterscheiden, soweit es dazu in der Lage ist; es die Liebe zu lehren, die es erfüllen kann, die Gerechtigkeit, die es verstehen kann. Weiter betritt es den Weg selbstständigen Auftretens.
Gebt ihm die Möglichkeit so zu handeln, wie das Kind es für richtig hält, unabhängig davon, inwieweit das mit euren eigenen Plänen zusammenfällt. Nur dann wird bei ihm alles normal sein. Es muss das erfahren, was ihm fehlt, das, was ihr ihm nicht geben konntet. Denn schliesslich ist eure Sicht auf ihre Weise begrenzt, wie groß eure Erfahrung auch sein mag.
Das Kind muss seinen eigenen Weg haben, und es muss ihn mit eigenen Schritten gehen. Wenn es in diesem Moment eurer Meinung nach einen Fehler macht, wird es ihn sehr bald verstehen, weil man ihm helfen wird, ihn zu verstehen; dann aber, wenn es den Fehler versteht, berichtigt es ihn. Und alles kommt an seinen Platz.“
Letztes Testament:  Vadims Berichte, Teil 6, Kap. 35, Vers 107ff.