An den Präsidenten der Russischen Föderation

Auszug aus einem Brief im März 2021

An den Präsidenten der Russischen Föderation
Wladimir Wladimirowitsch Putin

Sehr geehrter Herr Präsident!

Friede sei mit Ihnen und Ihren Angehörigen!

Wir appellieren an Sie als den Garanten der Verfassung zum Schutz der Rechte und Freiheiten der Menschen, der Gewissens- und Religionsfreiheit, als den Oberbefehlshaber der Streitkräfte Russlands und den Leiter der Strafverfolgungsbehörden, die Rechtmäßigkeit der Handlungen der 5. Abteilung des Untersuchungskomitees der Russischen Föderation zu überprüfen.

Auf der Grundlage von Beschlüssen und Anordnungen des Leiters der 5. Abteilung des Hauptuntersuchungskomitees der Russischen Föderation, J. W. Tschistochodow, wurde am 22. September 2020 in unseren Wohnorten, in den Dörfern Petropawlowka und Scharowsk im Kreis Kuragino des Gebiets Krasnojarsk, eine Militäroperation unter Einsatz von Hubschraubern, Spezialfahrzeugen und einer großen Anzahl bewaffneter Personen ohne Abzeichen gegen friedfertige Zivilisten durchgeführt. Das Ergebnis dieser groß angelegten Militäroperation war die Verhaftung unseres geistigen Lehrers Vissarion (S.A. Torop) und zwei seiner Nachfolger: V.V. Redkin und V.O. Vedernikov. Letzterer ist Abgeordneter des Gemeinderats von Tscheremschanka (Kreis Kuragino) von der Partei „Einiges Russland“. Diese Personen wurden nach Artikel 239 des Strafgesetzbuches, „Gründung von Nichtregierungsorganisationen, die die Rechte der Bürger verletzen“, und nach Artikel 111, Teil 3, Unterparagraph a, b des Strafgesetzbuches, „Vorsätzliches Zufügen einer schweren Gesundheitsschädigung“, angeklagt.

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass alle unsere Einsprüche bei den Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden nicht in der Sache geprüft wurden und unter Verletzung der geltenden Gesetze an den 5. Untersuchungsausschuss der Russischen Föderation geschickt wurden. Wir bitten um eine Überprüfung. Das wiederum verstößt gegen S. 6 des Art. 8 des Gesetzes Nr. 59-FZ vom 02.05.2006 „Über das Verfahren der Behandlung von Beschwerden der Bürger der Russischen Föderation“: Es ist verboten, die Beschwerde zur Behandlung an eine staatliche Behörde, ein örtliches Organ oder einen Beamten zu richten, dessen Entscheidung oder Handlungen (Untätigkeit) angefochten werden.
In diesem Zusammenhang bitten wir Sie, die Rechtmäßigkeit der Handlungen des 5. Untersuchungskomitees der Russischen Föderation und die Gültigkeit sowohl der Einleitung des Strafverfahrens als auch der Verhaftung und der nunmehr sechs Monate andauernden Inhaftierung der drei genannten Personen in der Untersuchungshaftanstalt 1 von Nowosibirsk zu überprüfen. Dies kann als „ungesetzliche Freiheitsberaubung“ betrachtet werden, die unter Artikel 301 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation fällt.

Verehrter Wladimir Wladimirowitsch!

Wir haben die Hoffnung, dass Sie aufgrund Ihrer menschlichen Weisheit in der Lage sein werden, die Situation gerecht und mit gutem Gewissen, in Übereinstimmung mit der geltenden russischen Gesetzgebung zu lösen.

Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Anschuldigungen auf Gerüchten, Spekulationen und unzutreffenden Informationen beruhen. Wir meinen, dass diese Anschuldigungen rückhaltlos manipuliert sind!

Des Weiteren bitten wir darum, die Rechtmäßigkeit der Einleitung eines Verwaltungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft der Region Krasnojarsk zur Liquidierung unserer religiösen Organisation „Kirche des Letzten Testaments“ zu prüfen. Ebenfalls die Rechtmäßigkeit der von der Forstverwaltungsbehörde initiierten Aktionen, den Bürgern einige offiziell zugewiesene Grundstücke abzuerkennen.

Die „Kirche des Letzten Testaments“ ist eine offiziell beim Justizministerium der Russischen Föderation registrierte religiöse Organisation. Sie agiert im Rahmen der russischen Gesetzgebung und hat offiziell zugelassene regionale Strukturen in anderen Städten Russlands und in einer Reihe von europäischen Ländern.

Bereits vor dem 22. September 2020 wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren aktiv Ermittlungsmaßnahmen in unserem Wohngebiet, in Dörfern der Kreise Kuragino und Karatus in der Region Krasnojarsk, durchgeführt: mehr als 300 Zeugen wurden befragt, viele Durchsuchungen und Gutachten wurden durchgeführt. Letztendlich ging es um zwei Geschädigte, die angeblich schwere gesundheitliche Schäden erlitten hätten. Laut Ergebnis eines Gutachtens, das ohne Untersuchung der „Opfer“ von Personen durchgeführt wurde, die nicht einmal anerkannte Psychiater sind, lautete die Diagnose „erhöhte Angst und Störungen des Schlaf- und Wachzustandes“.

Wir, die Bewohner der Kreise Kuragino und Karatus der Region Krasnojarsk, sind gesetzestreue Bürger Russlands. Wir sind an der stabilen Entwicklung unserer Region interessiert und nehmen aktiv am politischen Leben unserer Bezirke während der Wahlveranstaltungen, Volkszählungen und Wahlen teil, wir unterstützen die aktuelle Regierung und die Partei „Einiges Russland“. Unsere Anhänger werden von der Partei „Einiges Russland“ in die lokalen Behörden gewählt.

Uns wurde bekannt, dass V. O. Vedernikov seit dem 21.01.2021 mehrere Tage lang im Untersuchungsgefängnis Nr. 1 in Novosibirsk von Zellengenossen brutal gefoltert und durch das Betriebspersonal psychisch unter Druck gesetzt wurde, um ein Schuldeingeständnis zu erwirken, mit der Androhung von Folter auch gegen die beiden anderen Angeklagten S.A. Torop und V.V. Redkin. Seit dem 01.03.2021 war V.O. Vedernikov für sieben Tage in Einzelhaft untergebracht, weil er angeblich gegen die Regeln und Arbeitsweisen der Anstalt verstoßen hatte (Tragen von warmen Handschuhen und Nichthalten der Hände hinter dem Rücken beim Verlassen des Zimmers bei eisigen Temperaturen). Am 11.03.2021 ordnete Herr D.A. Rasplyin, stellvertretender Chefinspektor der Untersuchungsstrafanstalt Nr. 1, die Unterbringung von Herrn Redkin im Karzer für 14 Tage an. Der Grund für die Disziplinarmaßnahme ist uns nicht bekannt. Wir verweisen auf Artikel 117 des Strafgesetzbuches „Folter“ und Artikel 302 des Strafgesetzbuches „Nötigung zur Zeugenaussage“.

Auf der Grundlage des oben Gesagten bitten wir, das russische Volk, die Bewohner der Bezirke Kuragino und Karatus, eine juristische Bewertung der Ereignisse vorzunehmen, die Frage der Einstellung der Strafverfolgung von S. A. Torop, W. W. Redkin und W. O. Wedernikow zu prüfen und erforderliche Maßnahmen für die Entlassung der genannten Bürger Russlands aus der Untersuchungshaft zu ergreifen.

Hochachtungsvoll!

Bewohner der Kreise Kuragino und Karatus der Region Krasnojarsk.

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