Buch der Ansprachen – Kapitel 19-24

Kapitel 19

1. Seit alters her hat sich die Philosophie damit beschäftigt, das Wesen des Daseins Gottes und seiner Macht zu bestimmen,
2. Worauf religiöse Denker wie auf die Annäherung einer Gefahr reagierten.
3. Die Philosophen selbst kamen immer mehr zu dem Schluss, dass, wenn man das Wesen des Allmächtigen erkennt, man nicht mehr an ihn zu glauben braucht,
4. Worin sie das Ende der Religionen sahen.
5. Das erkannte Geheimnis verliert das lebendige Licht und seine anziehende Wirkung.
6. Die Religion ist eine feine und allumfassende Sphäre, welche die verborgensten Geheimnisse der menschlichen Seele berührt.
7. Der Mensch soll nur jene Geheimnisse kennen, die seine wahren Fähigkeiten entwickeln,
8. Und er soll nicht jene Geheimnisse wissen, die der normalen Vervollkommnung hinderlich sind.
9. Jede Vervollkommnung des Menschen aber muss nur zu einem reduziert werden – zur geistigen Entwicklung,
10. Denn das Wesen des Menschen ist in seiner Seele eingeschlossen.
11. Nur ein Unvernünftiger trachtet danach, in sich nur den Körper und seine Bedürfnisse zu sehen.
12. Der wahre Wert eines Geheimnisses wird nur dort bewahrt, wo die Gedanken, die über sein Wesen entstehen, nicht zur Zersplitterung der Menschheit führen.
13. Der unschätzbare Wert der Religionen besteht darin, dass sie bestrebt sind, die Menschen zu vereinen.
14. Früher wurden der Erde vier Weltreligionen vermittelt,
15. Die die Vereinigung vieler unterschiedlich Glaubender in Gang setzten,
16. Unabhängig von ihrer sprachlichen Verschiedenheit.
17. Anfänglich wurden die Auseinandersetzungen über die Religionen sowohl von den verschiedenen religiösen Dienern unterbunden, wie auch an sich durch den Glauben an die Macht des Allmächtigen.
18. In letzter Zeit, wo der Verstand der Menschheit zur größten Disharmonie mit der geistigen Welt gelangte, begannen die Menschen immer entschlossener auf ihre Art nach dem Verständnis der existierenden Schriften zu streben,
19. Was zu einem unhaltbaren Anwachsen aller möglichen Abzweigungen auf dem Baum der Religionen führte.
20. Ist die Existenz mehrerer Auslegungen einer Wahrheit jedoch klug?
21. Die Menschen können sich nicht wahrhaft vereinen, solange Uneinigkeit in der geistigen Entwicklung existiert, so achtungsvoll sie sich auch zueinander verhalten mögen.
22. Und solange die Menschen nicht zu einer einheitlichen Ansicht über die wahre Entwicklung kommen, wird sie nicht beginnen.
23. Mit verschiedenen Religionen auf der Erde kann man nur die ökonomische Frage mit Erfolg entwickeln.
24. Doch sie erschafft nur der Entwicklung des Körpers eine Grundlage.
25. Wenn der Mensch kein Körper ist, welchen Wert hat dann eine solche erfolgreiche Entwicklung?
26. Die erfolgreiche geistige Entwicklung der Menschheit ist nur auf einem anderen Weg möglich.
27. Die Religion, in ihrer wahren Form, ist die Kunst zur Entwicklung der Seele;
28. Da aber die Seele das Wesen des Menschen ist, so ist die Religion die Kunst zur Entwicklung des Menschen.
29. Und da für die Entwicklung der Seele ausschließlich die Religion zuständig ist, so darf sie nur eine einheitliche sein, damit es keine Vielstimmigkeit gibt.
30. Die Vielstimmigkeit kann man nur durch das Öffnen zusätzlicher Tore zur Erkenntnis des Geheimnisses bezwingen.
31. Kann denn das Erfassen des Wesens der Herrlichkeit Gottes das lebendige, wertvolle Licht der Religion auslöschen?
32. Sich auf dem Entwicklungsweg befindend, machen die Denker – sowohl die weltlichen als auch die religiösen – einen gewaltigen Fehler, indem sie vom Glauben an Gott sprechen;
33. Was den einen etliche Verwirrungen und den anderen unbegründete Unruhe bringt.
34. Wenn ein Objekt immer und unverändert existiert, muss man dann an seine Existenz glauben?
35. Der Glaube muss sich in Wissen verwandeln über die Existenz des einen oder anderen Objektes.
36. Weshalb man an die Existenz Gottes nicht glauben braucht.
37. Man muss wissen, dass er existiert.
38. Doch Gott zu glauben, muss der Mensch erst noch erlernen.
39. Weshalb die Verwandlung des Glaubens in Wissen über das Wesen der großartigen Herrlichkeit des Himmlischen Vaters nicht den wahren Geist der Religion verwehen, sondern die kalten Gedanken über das bedeutende Sakrament verwerfen kann.
40. Unter den Bedingungen des geistigen Verfalls sind heutzutage Kräfte gewachsen, die einer riesigen Mehrheit den Zugang zu den wahren Tiefen der Religion verwehren.
41. Die Aufdeckung neuer Wahrheiten hilft diesen Unglücklichen, sich das Wesen von Gottes Herrlichkeit bewusst zu machen und den wahren Weg der geistigen Weiterentwicklung zu finden.
42. Dabei werden nicht so sehr Geheimnisse aufgedeckt, als die Augen der Leute geöffnet,
43. Damit sie auf den lichten Verstand hören und sich auf den Weg ihrer Wiedervereinigung begeben.
44. Erfasst das Wesen des Glaubens, denn das ist die Grundlage für die Entfaltung eurer Seelen! Amen. Vissarion

Kapitel 20

1. Die geistigen Eigenschaften des Menschen sollen sich nur aufgrund geistiger Güter entwickeln.
2. Das menschliche Bewusstsein, das sich in der Atmosphäre der Produktion von materiellen Gütern befindet, entwickelt sich recht beschränkt.
3. Der Bau des Tempels der Seele basiert auf der Kühle seiner Bauarbeiter.
4. Die Gesellschaft wünscht leidenschaftlich von ihren Bürgern ein seelisches Verhältnis zu ihren Tätigkeiten, ein seelisches Verhältnis zueinander.
5. Denkt daran! Alle notwendigen seelischen Eigenschaften müssen, besonders in der heutigen Zeit, unbedingt entwickelt werden,
6. Nur nicht so, wie es jetzt geschieht: es mit Worten erklärend und gleichzeitig alles Gesagte mit den Händen wegnehmend.
7. Die Seele ist kein Beruf, den jeder, der es wünscht erlernen kann.
8. Sie ist eine Gabe, mit der Gott den Menschen aus seiner Umwelt hervorgehoben hat, die, wie alles am Menschen, unbedingt entwickelt werden muss.
9. Die Seele ist ein nicht wegzudenkender Teil des menschlichen Wesens.
10. Und damit der Mensch etwas Wertvolles und Unwiederholbares schaffen kann, muss in seinem Werk unbedingt die seelische Liebe vorhanden sein.
11. Wenn man aber den Menschen mit allem möglichen materiellen Komfort umringt, so entwickelt sich in seinem Bewusstsein das Bedürfnis nach immer mehr Komfort, und die Seele wird dabei gefühllos werden.
12. Auf diesem Boden wird ausgiebig die Habgier gedeihen,
13. Die eine der gefährlichsten Feinde der menschlichen Seele und des Verstandes in der materiellen Welt ist.
14. Der Mensch kann ungewöhnlich viel schaffen. Er hat fast unbegrenzte Möglichkeiten.
15. Doch sein Bewusstsein ist während der Entwicklungszeit sehr empfänglich für das umgebende Dasein.
16. Weshalb man ihn während dieser Zeit sehr leicht auf den falschen Weg bringen kann.
17. Er vergisst, sich eine Antwort auf die Frage zu geben, weshalb er geschaffen wurde.
18. Ihr sollt wissen, dass der Schöpfer keine Dummheiten macht, nicht zu scherzen weiß und alles, was er schafft, unbedingt der Entwicklung bedarf. Und auf keinen Fall der Zerstörung.
19. Das bedeutet, ihr müsst alle eure Eigenschaften entwickeln.
20. Es gibt keine talentlosen Menschen.
21. Alle Menschen sind in gleichem Grade mit gleichen Eigenschaften ausgestattet.
22. Die ursprünglich größere Erscheinung der einen oder anderen Fähigkeiten deutet auf den vorherbestimmten Platz in der Natur hin.
23. Eine Ausnahme machen jene Leute, die dazu berufen sind, in der einen oder anderen Richtung führend zu sein.
24. Die moderne Gesellschaft ist nicht fähig, genügend Möglichkeiten für die Entwicklung der Talente des Menschen zu schaffen.
25. Denn sie entwickelt sich in einem solchen Rhythmus, dass der menschliche Verstand fast völlig seine Vorherbestimmung vergisst,
26. Was den Menschen dazu zwingt, sich Fähigkeiten anzueignen und zu entwickeln, die einzig der Gesellschaft zum Nutzen gereichen.
27. Wonach sich das Bewusstsein des Menschen so einstellt, dass er sich an seine gewonnenen Fähigkeiten gewöhnt und sie für ihn die Haupttätigkeiten im Leben werden.
28. Weshalb der Mensch, der sich mit der Produktion materieller Güter beschäftigt, natürlich nicht mehr über den Sinn seiner Existenz nachdenkt, denn er weiß, dass er mit dieser Tätigkeit den Menschen nützlich ist.
29. Die Gesellschaft selbst hat den Menschen vom Erreichen der Wahrheit seines Lebens abgewendet.
30. Was zum Verlust der wahren Fähigkeiten führte, dem individuellen Bestreben, für die Umwelt schöpferisch tätig zu sein.
31. Zur festgesetzten Zeit macht sich der Mensch auf den Weg, nützlich zu sein, und nachdem er die bestimmte Zeit abgearbeitet hat, geht er schnell nach Hause.
32. Das einzig lebenswichtige Problem ist für ihn die Frage: „Wie kann man mehr Nutzen für sich aus dem Nutzen ziehen, den man der Gesellschaft bringt?“
33. In der Mehrzahl der Fälle ist der Mensch unzufrieden, dass er von der Gesellschaft wenig Güter im Verhältnis dazu bekommt, welche Kräfte er seinerseits für die Produktion der Güter für die Gesellschaft eingesetzt hat.
34. Solche Gedankengänge machen den Tempel der menschlichen Seele hässlich.
35. Denkt daran! Der Mensch ist wertvoll in seinem Bestreben zu geben und nicht darin, zu nehmen.
36. Viele Leute, die die Wahrheit darüber vernehmen, dass der Mensch lebt, um zu geben, sind damit einverstanden, wenn bei ihnen etwas vorhanden ist, was man geben kann.
37. Amen, Ich sage euch: Auf der Erde existiert kein Mensch, der nichts zu geben hätte;
38. Es werden sich immer Leute finden, die die Hilfe genau dieses Menschen benötigen.
39. Und es ist unsinnig, die materielle Hilfe für die wertvollste zu halten.
40. Nicht weniger wertvoll ist die geistige Hilfe.
41. Die materielle Hilfe ist nur dann richtig, wenn sie ein Stehenbleiben verhindert.
42. Öffnet eure Seelen füreinander! Und soll der Segen, der unermesslich vom Vater in eure Seelen überläuft, von einer Seele zur anderen fließen,
43. Die verlorenen Kräfte eines unglücklichen Menschen auffüllen und ihm helfen, ein ebensolcher Schöpfer zu werden und ungehindert die Wärme seiner Seele den Umgebenden hinzugeben. Und das für immer!
44. Öffnet euch und schafft unendliche Liebe! Amen. Vissarion

Kapitel 21

1. Glaube ist Leben.
2. Das Leben ist Bewegung und eine gewaltige Arbeit, die auf dem Erreichen des Glaubens an seinen Himmlischen Vater beruht.
3. Die Bewegung zum Licht ist beim Menschen nur durch das Überwinden von Hindernissen möglich.
4. Der Wärme kann sich nur die Kälte widersetzen, dem Licht die Finsternis.
5. Weshalb den Wanderer im Sonnenland eine gewaltige Arbeit erwartet zum Überwinden der Kälte und der dunklen Ecken.
6. Und so wie ihr nach dem Willen des Vaters einst mit einem Körper bekleidet wurdet, so breitet sich vor euch seit dem Beginn dieser bedeutenden Zeit der gewaltige Weg der Arbeit eures Körpers aus.
7. Denn die Entwicklung der Seele ist nur durch die Taten des Körpers möglich.
8. Die Seele ist das eigentliche Kind Gottes.
9. Weshalb von den Vorvätern gesagt wurde, dass Glaube ohne Handlungen tot sei.
10. Und nur nach euren Handlungen kann man über euren Glauben urteilen. Und wo ist nun diese rechtschaffene Arbeit?
11. Ihr wisst, dass die Funken des auflodernden Feuers weiterhin Wärme und Licht bringen.
12. Genauso gab euch auch euer großartiger Vater, indem er euch nach seinem Ebenbild schuf, die Möglichkeit, Schöpfer der Liebe, der Schönheit und des Lichtes zu werden.
13. Denn während des langen Lebens der Menschheit haben es die Menschen gelernt, wunderbare stilvolle Reden über das Gute, die Schönheit und die Liebe zu halten, doch sobald vor ihren Füßen die Notwendigkeit zur Erschaffung erschien, blieb diese Stufe unüberwunden.
14. Das Wesen des Universums beruht auf der Vernichtung von jedem, der zum Hindernis für das Aufblühen der Harmonie des Daseins wird, und es folglich verlassen muss.
15. Es gibt außerdem noch den Begriff der unendlichen Finsternis, die sich auf der anderen Seite des Lichtes befindet. Doch diese Finsternis hindert nicht, sie ist gegenwärtig.
16. Und die Blütenblätter der Sonne füllen diese Unendlichkeit immer mehr aus.
17. Diese Finsternis steht nicht außerhalb der Harmonie, denn sie ist das Ursprüngliche.
18. Und einmal, ihr Dasein zur Erscheinung bringend, wurden die Kinder Gottes ähnlich jenen, die auf felsige Gipfel klettern,
19. Wobei den Wanderer sowohl das Gepäck hindert, das auf seinen Schultern liegt, der senkrechte Abgrund mit seinen scharfen Kanten, als auch der Stein, der ihm entgegenfliegt. All diese Hindernisse müssen auf den Wegen des Weltalls vom Wanderer geduldig erlitten werden.
20. Doch, Kinder Gottes, indem ihr euch von der Erkenntnis der Wahrheit Gottes abwandtet, habt ihr euch euren Aufstieg in vielem schwerer gemacht.
21. Denn auf euch rollen nicht nur die Steine zu, die der Wind bewegte, sondern auch jene, die von Bruderhand geworfen wurden.
22. Auch das Gepäck auf den Schultern hat die Eigenschaft, schwerer zu werden.
23. Eine gewaltige Arbeit fordert die heutige Zeit von euch.
24. Und diese Arbeit besteht in dem Bestreben, durch eure Hände euer Herz den Umgebenden und der Umwelt zu reichen, ohne etwas dafür zu verlangen.
25. Und kann man überhaupt etwas dafür verlangen, wenn die Arbeit aus dem unhaltbaren Bedürfnis der Seele erwächst, und dieses Bedürfnis den vorgesehenen Platz in eurem Leben einnimmt?
26. Diesen Platz in der Gesellschaft muss jeder von euch finden.
27. Und bei dieser Suche geht derjenige, der die Wahrheit erfassen will, nie an einer zum Wohl gereichenden Arbeit vorbei, die vor seinen Händen auftaucht. Was für eine Arbeit das auch sei.
28. Denkt daran! Wenn es dir möglich ist, die Arbeit für deine Hände einzuteilen in würdige und unwürdige, so zeugt das von Verunreinigungen in deiner Seele und von einem Hindernis beim Erreichen der Wahrheit.
29. Erreiche den Gipfel der Demut, denn in der Demut liegt Weisheit.
30. Wenn aber vor dir mehrere dem Wohle dienende Tätigkeiten erscheinen, so verstehe es, mit dem Verstand eine würdige Entscheidung zu treffen: ist es vielleicht möglich, sie eine nach der anderen auszuüben, wenn aber nicht, so übe die größere von ganzem Herzen aus.
31. Wenn du aber meinst, dass eine gewisse Tätigkeit für dich bestimmt ist, es dir aber im Augenblick nicht möglich ist, sie auszuüben, so übe würdig jene Arbeit aus, die vor dir erschienen ist,
32. Denn darin kommt dein Glaube zum Ausdruck.
33. Man soll nicht den Willen des Himmlischen Vaters bestreiten.
34. Wenn man dich zu einer Arbeit führt, die scheinbar weit von deiner Bestimmung entfernt liegt, geschieht dies dann nicht zu deinem Guten?
35. Und weise ist jener, der alles mit Freude als das Notwendige entgegennimmt.
36. Jener aber, der das Bequeme sucht, bringt seinen Unglauben zum Ausdruck.
37. Lernt, würdig jede Arbeit zu tun, denn ist sie euch unter die Hände gekommen, so, Amen, Ich sage euch: Für einen die Wahrheit Erreichenden ist dies jene erwartete Minute, in der er den Segen seiner Seele hingeben kann.
38. Den Erreichenden sollen die Gedanken darüber, wie lange er diese Arbeit ausführen muss und wohin ihn das bringt, nicht beunruhigen,
39. Denn der die Wahrheit Erreichende weiß, dass der großartige Vater aufmerksam jeden beobachtet.
40. Und wenn dir bevorsteht, etwas Größeres zu schaffen, wird es dann nicht vor deinen Füßen erscheinen?
41. Verstehe es, auf die Stimme deines Herzens zu hören und das Zeichen des liebenden Vaters wahrzunehmen! Amen. Vissarion

Kapitel 22

1. Geistigkeit und Ehrung der Schönheit… Ist die Entwicklung dieser Prinzipien im Menschen auf verschiedenen Pfaden möglich?
2. Als sich diese beiden Prinzipien vor langer Zeit teilten, haben die Menschen eine gewaltige Disharmonie in ihrer Entwicklung geschaffen.
3. Was heutzutage zum Chaos in der Entwicklung ihrer geistigen Eigenschaften und zum Verlust des Weges, auf dem die wahre Aufwärtsbewegung möglich ist, führte.
4. Seht ihr den Weg nicht, den euch Gott zum Erreichen der höchsten Stufe der Harmonie bereitet hat,
5. Der dafür bestimmt ist, aus euch die wertvollste Zivilisation im Weltall zu machen?!
6. Die Wahl der ästhetischen Entwicklung als „einzig richtigen Weg“ führte zum Erscheinen des Begriffs „Wertgegenstand“.
7. Doch solange aus der Gesellschaft der Begriff „Wertgegenstand“ nicht verworfen wird, wird das Bestreben, diese Gegenstände im Überfluss zu besitzen, nicht verschwinden.
8. Was zur ständigen Anwesenheit des Neides, und als seine Folge, der Böswilligkeit führt.
9. Die Böswilligkeit aber wird dem Menschen nie erlauben, zu seiner wahren Vollkommenheit zu gelangen.
10. Der Spruch „Schönheit rettet die Welt“, ist nicht wahr.
11. Denn die nicht von Menschenhand geschaffene Schönheit als Quelle der ästhetischen Entwicklung existiert immer;
12. Der Mensch ist in ihr geboren, und trotzdem geht er auf seinen Untergang zu.
13. Die von Menschenhand geschaffene Schönheit ist eine Vervollständigung der nicht von Menschenhand geschaffenen Schönheit, welche den Schöpfer ursprünglich anregte.
14. Der Unterschied besteht darin, dass die eine Schönheit die segensreiche Energie der Natur enthält, die andere – die des Menschen.
15. Wenn die Gesellschaft nur die geistige Aufwärtsentwicklung wählt, so führt das nicht zur wahren Entfaltung der menschlichen Seele.
16. Denn in diesem Fall wendet sich der Mensch entweder ganz von den physischen Werten ab, oder er verhält sich ihnen gegenüber äußerst geringschätzig.
17. Denkt daran! Alles, womit die Mutter Natur den Menschen versehen hat, ist Wahrheit;
18. Und alles, was im Weltall geschaffen wurde, ist kein Zufall und benötigt eine harmonische Entwicklung.
19. Immer muss man sich vergegenwärtigen, dass in der Frau das Prinzip der Natur verborgen ist.
20. Weshalb ihr wahres Aufblühen nur mittels des Körpers und seiner Werte vonstatten geht,
21. Deren falsche Einschätzung zum Verwerfen des weiblichen Wesens führt und zur Disharmonie zwischen Mann und Frau.
22. Denkt daran! Eine der geistigen Stufen zum Aufstieg wird so ausgedrückt: wenn das Männliche und das Weibliche ein Ganzes werden.
23. Wenn ihr die physischen Werte und die materielle Welt verwerft, verarmt die ästhetische Weltauffassung des Menschen,
24. Was ebenfalls nicht zum Aufblühen der wahren Blume eurer Seele führt.
25. Die Blume ist schön und wertvoll, wenn sie blüht, und nicht, wenn die Knospe erscheint.
26. Der Mensch kann die Fähigkeit, einzuschätzen, ob ein Gegenstand besser beschaffen ist als ein anderer, nie verwerfen.
27. Das ist eine primitive Grundlage der ästhetischen und praktischen Entwicklung.
28. Wenn sich der Mensch nicht geistig entwickelt, so wird er immer danach trachten, den besseren Gegenstand zu bekommen,
29. Und den schlechteren Gegenstand den anderen zu lassen.
30. Er wird Zufriedenheit darüber empfinden, dass die sich bei ihm befindenden Gegenstände besser sind, als die der anderen.
31. Und damit betritt er den Weg zum moralischen Verfall.
32. Der sich geistig Entwickelnde möchte ebenfalls einen schönen Gegenstand besitzen, doch wenn er die Wahl hat, so nimmt er den schlechteren,
33. und lässt den anderen den besseren.
34. Er wird Freude für jene Menschen empfinden, die den besseren Gegenstand bekamen.
35. Die ästhetische Entwicklung bringt Gleichgewicht und Ordnung in die Natureigenschaften.
36. Die geistigen Eigenschaften werden von der geistigen Entwicklung organisiert.
37. Weshalb in euch zwei Prinzipien der Erdenwelt vereint sind:
38. Das Prinzip Gottes und das Prinzip der Natur,
39. Welche im Wesen der Seele und des Körpers eingeschlossen sind.
40. Doch diese Prinzipien sind dem Menschen nur eingepflanzt.
41. Jede Vereinigung aber bedarf der Harmonie, bei der in vollem Maße die wahren Eigenschaften zum Ausdruck kommen können.
42. Diese Harmonie muss der Mensch selbst finden, weshalb euch der Verstand gegeben wurde.
43. Alle von Gott und der Natur in euch eingepflanzten Eigenschaften müssen entwickelt werden.
44. Doch des Menschen Bewegung auf dem falschen Weg brachte ihn dazu, viele der in ihn hineingelegten Eigenschaften und Möglichkeiten als unsinnig anzusehen.
45. Alle positiven Emotionen sind Erscheinungen des göttlichen Segens, außer den Gefühlen der Befriedigung in Zusammenhang mit körperlichen Bedürfnissen.
46. Doch der Teufel kann Emotionen schaffen, die scheinbar positiv sind, indem er falsche Duplikate herstellt.
47. Weswegen auf dem Weg des Emporschreitens die positiven Emotionen bei ihrem Erscheinen bestimmt werden müssen.
48. Der Weg des Emporsteigens besteht in jenen Handlungen und Gefühlen, die zum Wohle und in Zusammenhang mit dem Wohl der umgebenden Menschen entstehen.
49. Bleibt dieses in sich oder im Rahmen der Nächsten begrenzt, so wird es keine Aufwärtsbewegung geben, sondern eine Bewegung auf der Ebene. So viel du auch gehst – du kommst nicht einen Deut höher.
50. Kommen die positiven Emotionen im Menschen von Gott und der Natur, so könnt ihr alles tun, was sie hervorruft.
51. Doch ihr müsst immer daran denken, dass, je mehr der Mensch Güter erhält, umso mehr wünscht er.
52. Der Weg zur Befriedigung des Körpers und der Seele sind nicht ein und derselbe:
53. Mit der Befriedigung der Seele kann man sich unendlich befassen,
54. Bei der Befriedigung des Körpers führt diese Maßlosigkeit nur zu Leiden.
55. Versuchungen sind jene Begierden, die zu einer Verarmung der Seele führen und zur Vernichtung des Körpers.
56. Man muss seine Bedürfnisse in den Grenzen der Wahrheit halten,
57. Wobei für jeden von euch eine eigene, individuelle Grenze existiert.
58. Der Mensch kann auf dem Weg des ständig steigenden Umfangs der Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse des Körpers schreiten,
59. Was außerhalb der richtigen Grenze ist und zum Abschwächen der geistigen Bedürfnisse führt,
60. Wonach der Mensch nur noch der Befriedigung des Körpers den Vorzug gibt;
61. Doch er kann auch den Weg der direkten Schädigung seines Körpers betreten, einige wonnige Empfindungen erhaltend.
62. Dieser Sumpf ist der höchste Verfall, der die geistige Energie vollkommen aussaugt und den Menschen unfähig macht, den Aufstieg zu beginnen.
63. Seelenarmut führt zu Wildheit und unendlichen Leiden.
64. Der Körper kann nur jene Arten der Befriedigung benutzen, die weder zum Schaden des eigenen noch eines fremden Körpers gereichen;
65. Die weder zum Schaden der eigenen noch einer fremden Seele gereichen;
66. Die nicht naturwidrig sind.
67. Jeder Mensch muss seine Grenzen finden und sie einhalten,
68. Denn ein unaufhaltbares Anwachsen der körperlichen Bedürfnisse führt zu Seelenarmut.
69. Der Mensch wurde auf der Erde geboren, um sich zu entwickeln, nicht um sich zu befriedigen.
70. Doch auch eine asketische Lebensweise ist dem Menschen nicht eigen.
71. Die asketische Lebensweise ist eine Schule, die nur dem übermäßigen Anwachsen der körperlichen Bedürfnisse Einhalt gebieten sollte.
72. Der Körper wurde den Menschen gegeben, damit sie den Tempel der Seele bauen,
73. Dank dessen nach Beendigung des Lebens des Körpers die Seele leben kann.
74. Der Bau des menschlichen Tempels muss mit Hilfe der Handlungen des Körpers geschehen.
75. Doch der Körper trachtet immer danach, die Bauzeit zur Fertigstellung zu verlängern.
76. Das ist aber nur dann möglich, wenn der Körper in Harmonie mit der Natur steht,
77. Um keine Leiden von ihr zu erfahren und um zusätzliche Möglichkeiten zu bekommen, die den Tempel der Seele veredeln.
78. Die wissenschaftlich-technische Entwicklung, die bis zur heutigen Zeit über die Entwicklung der Menschheit herrscht, führt in den meisten Fällen überhaupt nicht zur Entwicklung des einen oder anderen göttlichen- oder Naturprinzips im Menschen.
79. Sie schafft einzig Komfort für das Leben des Körpers.
80. Doch Leben ist keine Entwicklung, es ist die Grundlage, auf der die Entwicklung aufbaut.
81. Den größtmöglichen materiellen Komfort schaffend, hielt die wissenschaftlich-technische Entwicklung nicht nur einst die wahre Entwicklung des Menschen auf, sondern führte zu einem gewissen Verfall.
82. Die Epoche des Reiches der Kraft, das bis zur heutigen Zeit gedeiht und teilweise in der Zukunft, führte beim Menschen zum Bewusstsein, dass er ein Körper sei.
83. Und die Menschheit folgte als eitle und laute Masse der ewig entgleitenden Möglichkeit, sich mit den besten materiellen Gütern zu umgeben.
84. Wenn der Mensch, der mit großen schöpferischen Möglichkeiten versehen ist, sich nicht geistig entwickelt, so verwandelt er sich in das gefährlichste Lebewesen auf der Erde.
85. Denkt daran! Wenn das Äußere zum Inneren wird und das Innere zum Äußeren, dann hat eure Seele den rechtschaffenen Weg gefunden.
86. Das muss man so verstehen: Die Erscheinungen in der Umwelt soll man in sich aufnehmen und mit seiner ganzen Seele empfinden;
87. Und die Wärme der Seele, die sich in euch befindet und entwickelt, sollt ihr unermesslich der Umwelt hingeben.
88. Und euer Blick sei nicht darauf gerichtet, ob euch Gutes mit Gutem vergolten wird!
89. Vereine deine Gefühle mit Gott und der Natur,
90. Und nur danach eröffnet sich vor dir der Weg der wahren Entwicklung.
91. Sei bestrebt, in dir die Harmonie des göttlichen und natürlichen Prinzips herzustellen,
92. Denn das macht das Emporsteigen zur wahren Vollkommenheit möglich.
93. Seid würdige Kinder eures Vaters! Seid Schöpfer! Amen. Vissarion

Kapitel 23

1. Der Weg zum Licht – das ist keine Wärme, die dir scheinbar zusteht, während du dich an deinen Lastern und deiner Selbstzufriedenheit ergötzt,
2. Sondern ist eine gewaltige schöpferische Arbeit im ständigen Bestreben, das Brot deiner Seele den Umgebenden und der Umwelt hinzureichen, ohne etwas dafür zu verlangen.
3. Amen, Ich sage euch: Eine wohltätige Hilfestellung zu leisten ist eine enorme Kunst, die die Menschheit noch erlernen muss.
4. Denn das Wesen der Hilfe unterstützt nicht unbedingt den sich Erhebenden, sondern kann ihm auch zum Fall verhelfen. Und all das ist möglich aufgrund ein und desselben wohlwollenden Wunsches.
5. Bedenkt! Wohltaten, die von euch ausgehen und nicht von eurem Verstand abgesichert werden, kann sich der Teufel zunutze machen,
6. Und dann bringt eure Welt Leiden mit sich – Leiden, die auch ein Missetäter oftmals nicht mit sich bringt.
7. Weshalb der Weg zum Licht die Schaffung bestimmter günstiger Bedingungen voraussetzt, auf deren Grundlage die Kinder Gottes fähig sein werden, sich auf die Vollkommenheit zuzubewegen.
8. Ein Erleuchteter und wahrhaftig zum Licht Strebender ist ein Kind Gottes, dem Flügel gewachsen sind.
9. Er schwingt sich über den klebrigen Schlamm empor, in dem seine Mitbrüder verbleiben und von denen die einen von ganzem Herzen danach trachten, sich von diesem Schlamm loszureißen, doch ihnen die Unterstützung nicht reicht;
10. Die anderen begehren die Rettung, doch haben sich nicht entschlossen, das Gepäck, das sie zu Boden zieht, abzuwerfen;
11. Und die dritten behaupten, dass außer dieser Umwelt kein anderes Leben existiert und man von ihr soviel wie möglich nehmen sollte,
12. Und fahren damit fort, sich gegenseitig mit Schmutz zu bewerfen, was ihnen ein bestimmtes Vergnügen bereitet.
13. Es ist unsinnig den Versuch zu unternehmen, jenem herauszuhelfen, der fest von seinem Weg überzeugt ist.
14. Doch es ist ebenso unmöglich, jenen zu retten, der sich davor fürchtet, seine Verbindungen mit dem Nichtsein zu zerreißen. Denn er hat zwar begonnen zu hören, doch er hat noch keine Augen bekommen.
15. Jeder Fliegende muss begreifen, dass er vor allem dort zu sein hat, wo die zum Licht Strebenden nicht zurückschauen.
16. Jener aber, der sich nach den Sonnenstrahlen sehnt, doch oft den Blick seinen Füßen zuwendet, benötigt nur Hilfe durch ein Gebet, das ihr an seine Seele richtet.
17. Denn das Gebet ist die beste Hilfe, die jeder benötigt und die niemandem schaden kann.
18. Es stärkt die Seele des Menschen und umgeht sein Bewusstsein, das in seiner Krankheit die Erscheinungen der Umwelt sehr verzerrt aufnimmt.
19. Ist aber die Seele stärker, so wird der Mensch richtigere Schritte unternehmen.
20. Wirklich, der Verlassene soll wissen, dass ihr, ihn verlassend, ihn nicht von euch stoßt und immer eine Stütze sein werdet, doch zuerst muss er selbst von ganzem Herzen zum Gipfel streben.
21. Denn, neben dem Unglücklichen verbleibend, werdet ihr ihn nicht nur nicht retten können, sondern zusammen mit ihm umkommen, während ringsum noch viele Wartende sind. Wer aber hilft ihnen?
22. Indem sie sich von dem steinigen Weg befreien, werden ihnen ebenfalls Flügel wachsen und sie werden zu den sich Sehnenden streben. Es wird mehr Gerettete geben.
23. Um einen im Sumpf Versinkenden zu retten, muss man die Hand vom Ufer aus reichen und nicht mit den Füßen in diesen Sumpf treten.
24. Es ist schwer, jenen zu heilen, der nicht weiß, wie schwer er erkrankt ist.
25. Weshalb der wirklich zum Licht Strebende danach trachten soll, sein Herz, sich vergessend, den Wartenden zu reichen!
26. Die Herrlichkeit Gottes wird nicht unerkannt bleiben!
27. Doch einer, der nicht danach strebt, selbstlos den Segen seiner Seele den Umgebenden hinzugeben, ist jener, der seine Krankheit nicht erkannt hat. Braucht er einen Arzt?
28. Er soll seinen Platz einem anderen Wartenden frei machen.
29. Amen, Ich sage euch: Wenn ein Mensch will, doch er kann nicht – dann ist er ein Bedürftiger,
30. Doch wenn er kann und nicht will – dann ist er ein Träger der Versuchung.
31. Denkt daran! Weh dem, durch den die Versuchung in die Welt kommt. Sein Schicksal ist Unglück.
32. Um die wahre Hilfe zu erkennen, muss der Mensch zu allererst auf seine Bewegung zum Licht achten, denn die echte Freude ist im Wesen der Bewegung versteckt, und nicht darin, womit du dich bewegst.
33. Und wenn man einem sich Fortbewegenden Hilfestellung leistet, der sie nicht besonders benötigt, so lässt dadurch seine Konzentration auf diese Arbeit nach.
34. Mit der Zeit wird er immer öfter auf mögliche Hilfe hoffen, anstelle auf die Taten seiner Hände.
35. Dieser Weg endet damit, dass der Unglückliche irgendwann einmal nur noch über das ihm Zustehende sprechen wird, die Lust zur Arbeit aber wird vergessen sein.
36. Erkennt würdig die rechtschaffene Arbeit! Und dass der Gottesfunke in euch nicht verglimmt! Amen. Vissarion

Kapitel 24

1. Das Irreale… Was ist das Irreale?
2. Das menschliche Bewusstsein, das sich auf dem Niveau des Reiches der Kraft befindet und dem Einfluss der wissenschaftlich-technischen Entwicklung verfiel, entwickelt sich immer mehr unter dem Einfluss des Realen.
3. Weshalb in der heutigen Zeit die Denkweise und das Auffassungsvermögen des Menschen vollkommen von den realen Objekten und Erscheinungen abhängt.
4. Der Mensch hat dem Irrealen bewusst den Rücken zugekehrt und versucht, von ihm wegzukommen wie von einem unnützen Trödel.
5. Ist aber die Existenz des Realen ohne das Irreale möglich? Ist dieser Weg nicht eine Versuchung, die zum Abgrund führt?
6. Die Entwicklung der geistigen Welt des Menschen besteht nicht nur im Kennenlernen der Errungenschaften auf dem Gebiet der Kunst, sondern auch in der Entwicklung der grundlegenden Möglichkeiten des Menschen – in der Kunst, sich etwas vorzustellen, zu phantasieren, zu träumen.
7. Wobei sich die Fähigkeiten zur unbegrenzten schöpferischen Arbeit entwickeln.
8. Diese Fähigkeiten sind die wichtigsten im Wesen des Menschen, auf welche die Menschen leider mit Herablassung blicken,
9. Doch die sie nicht nur von der Tierwelt unterscheiden, sondern auch von allen möglichen außerirdischen Zivilisationen.
10. Das Irreale ist genauso eine sinnlich aufnehmbare Erscheinung wie das Reale.
11. Es existiert Seite an Seite mit der Realität.
12. Weshalb ein Mensch, der nur das Reale kennen lernt, ein Auge und ein Ohr opfert.
13. Die Realität kann man nicht verändern,
14. Die Irrealität aber kann man unendlich abwandeln.
15. Diese Modifikation geschieht in direkter Abhängigkeit vom Entwicklungsniveau der Vorstellungskraft.
16. Das Wichtigste dabei ist, aus den unzähligen Variationen den einzig richtigen Weg zu finden.
17. Beherrscht den Menschen vollkommen nur die Irrealität, so wird er für die anderen unverständlich,
18. Er wird von ihnen als krank bezeichnet.
19. Abhängig davon, welche irreale Welt den Menschen beherrscht, ist er entweder wild oder ruhig.
20. Doch diesen Menschen kann man nicht den wahrhaft Kranken gleichstellen, bei denen im Organismus offensichtlich böse Leiden wachsen, die zu schlechten Handlungen führen.
21. Eine gewaltige Menge Leute, die nur von der Realität beherrscht werden, ahnen nicht, dass sie zu den nicht weniger Unglücklichen gehören.
22. Sollten einige dieser Leute diese Tatsache begreifen, so werden die meisten von ihnen schnell ihre Meinung über ihre Abnormität korrigieren, sich umsehend und überzeugend, dass die weitaus größere Mehrheit genau solche Menschen wie sie sind.
23. Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass ein gesunder Mensch, der sich zwischen vielen Kranken befindet, im Verhältnis zu ihnen als krank aufgefasst wird.
24. Dieser große Fehler, die Realität als das Wichtigste herauszuschälen und abzutrennen – durchschritt selbst das Tor der Kunst,
25. Wo das Urteil über die Harmonie eines Werkes, das nicht mit der bekannten Realität verbunden ist, in der Meinung gipfelt, dass die künstlerische Wahrhaftigkeit verloren geht.
26. Oder mit anderen Worten – Das Kolorit ist unwirklich, nie gesehen, willkürlich.
27. Warum aber sollen die Farben die erkannte Realität schildern und warum soll das alles sein?
28. Erkennbar ist auch jenes, was als irreal gilt.
29. Diese Erkenntnis öffnete neue, unendliche Horizonte der Schönheit, die viele Menschen nicht erblicken.
30. Ein einfaches, aber erstaunlich treffendes Beispiel der Einwirkung der Irrealität auf den Menschen ist sein Traum.
31. Der Traum zwingt den Menschen dazu, ein irreales Leben zu erleben.
32. Seine Gefühle reagieren in gleichem Maße auf ein Geschehen, das im Bewusstsein entsteht.
33. Die Menschen betrachteten die Träume als gegenstandslos, völlig von der Wirklichkeit unabhängig.
34. Diese Träume wurden der Phantasterei gleichgestellt und Trugbilder genannt.
35. Die Trugbilder aber führen den Menschen scheinbar von der Welt der Wirklichkeit weg, machen sein Werk uninteressant und anstrengend.
36. Betrachtet die Geisteskranken und insbesondere jene, die zu den Menschen mit einem gestörten Bewusstsein gehören,
37. Bei denen so ein Zustand existiert, wo der Mensch, entweder sich in einem unbeweglichen Zustand befindend oder sich schweigend im Raum bewegend, fähig ist, sein Leben in einer anderen Dimension, zu einer anderen Zeit und an einem ganz anderen Ende des Alls zu verbringen.
38. Der Mensch könnte sagen, dass er diesen Unsinn nicht braucht – weder im persönlichen Leben noch während der Arbeit,
39. Denn er kann ihn nicht ernähren, noch materiell bereichern.
40. Können solche und ähnliche Reden einen echt normalen Menschen bestimmen?
41. Das Wesen jedes vernünftigen Menschen besteht darin, das Unbekannte erkennen zu wollen.
42. Doch der Weg zur Erkenntnis ist zweierlei Art und die Möglichkeiten der Menschen sind verschieden.
43. Der Mensch kann, wenn sein Bewusstsein noch nicht endgültig konserviert wurde, wünschen, einen unbekannten Planeten zu sehen oder auf ihm zu verbleiben, sich in der Zeit in die Vergangenheit oder Zukunft zu bewegen, irgendein fremdes Leben zu leben und vieles, vieles mehr.
44. All das steht in der Macht des Menschen.
45. Doch, sich mit der Zeit immer erwachsener fühlend, strebt er danach, diese „unseriösen“ Wünsche immer seltener zuzulassen,
46. Und befürchtet, einem Geistesgestörten zu ähneln.
47. Viele Menschen möchten in ihre Kindheit zurückkehren. Doch einige nur, weil sie meinen, die Kinder wären sorglos;
48. Andere aber möchten die Umwelt so sehen und fühlen wie die Kinder.
49. Diejenigen, die die Kinder sorglos glauben, machen einen Fehler, denn Kinder sind auf ihre Weise sehr besorgt.
50. Doch die anderen benötigen das wirklich, denn Kinder sehen die Umwelt durch die Scheibe der herrlichen Fähigkeit, zu phantasieren.
51. Mit der Zeit befreien sich die Menschen immer mehr von dem Wunsch, zu phantasieren.
52. Sie festigen immer mehr die Meinung, dass es besser sei an das zu glauben, was man mit den Händen berühren und im wachen Zustand sehen kann.
53. Mit dieser Absicht konserviert der Mensch aktiv weite Gebiete im Gehirn des Körpers,
54. Und lässt einen winzigen Teil übrig, der nur über die materielle Befriedigung der Persönlichkeit etwas weiß.
55. Natürlich zählt die Gesellschaft Geistesgestörte zu Menschen, die unfähig sind, einen Nutzen zu bringen.
56. Doch, in die Tiefe dieser Leute blickend, kann man erkennen, dass dieser Kranke nur deshalb unnütz ist, weil er in einen Trugzustand verfällt, unabhängig von seinem Willen und für eine unbestimmte Zeit.
57. Dieser Zustand ist für sein Bewusstsein nicht steuerbar.
58. Weshalb diesem Menschen keine verantwortliche Arbeit in der Gesellschaft anvertraut werden kann.
59. Und er kann selbst sein Leben nicht aufrechterhalten, ohne eine gebührende Pflege.
60. Anders bei einem gesunden Menschen, der dann und für eine solche Zeitspanne in einen Traumzustand eintreten sollte, wie es der betreffenden Lage entspricht.
61. So erkennt denn würdig euer wahres Wesen –
62. Das großartige Talent, das euch euer Vater gab! Amen. Vissarion